„Social Media ist eine Big Bubble“

Ein kritischer Bericht über Social Media, und die Frage: Wie finanziert sich Facebook?

Die Zeit der Social-Media-Glücksritter scheint passé. Geldgeber in Silicon Valley tragen keine Spendierhosen mehr. Sie wollen von Social-Media-Unternehmen nichts mehr wissen. Alte Geschäftsmodelle neu aufgelegt und ohne Erlöskonzept sind nicht genug.

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San Jose/USA (CA.). Ein fast körperliches Unbehagen signalisierte Brian Wilcove, General Partner vom Venture Capital Unternehmen Sofinnova Ventures, wenn man ihn auf Social Media anspricht: „Da gibt es Leute, die haben eine Idee, aber wissen nicht, wie sie Geld verdienen wollen.“ Und das sei eben zu wenig, wenn man sich auf den Weg zur Venture Capital Branche begibt. Wer glaubt, mit Social Media in Silicon Valley reüssieren zu können, sei auf einem „falschen Weg“, sagt der VC-Experte am Ericsson Business Innovation Forum 2011 im Gespräch mit dem WirtschaftsBlatt. Es gäbe eine Unzahl von Social Media-Anwendungen. „Social Media ist eine Big Bubble“, sagte Wilcove. Übersetzt heißt das nicht weniger als: Eine riesige Seifenblase, die bereits existiert. Die Geschäftsmodelle der Web 2.0-Unternehmer ähneln häufig denen vor gut zehn Jahren, als die erste Dotcom-Bubble im Jahr 2000 geplatzt ist.

Keine Ahnung von Märkten

Grund für die Bubble: Die wie Kraut aus dem Boden geschossenen Social Media Unternehmen hätten in ihren Business-Plänen oft nicht einmal drin stehen, wie sie Geld verdienen wollen. „Manche meinen mit Advertizing und Kooperationen mit IT-Unternehmen und Medien habe man das große und kreative Erlösmodell gefunden“, sagt Wilcove. „Dann gibt es auch noch jene, die glauben von einem Großen der IT-Branche weggekauft zu werden.“ Das sei zum Start aber zu wenig und nicht realistisch. VC-Unternehmer zeigen diesen Leuten geradezu die Tür, falls sie es doch geschafft haben einen Termin zu bekommen trotz Lücken im Business-Plan. VCs erwarten laut Wilcove von innovativen Unternehmen nicht nur die Idee, sondern ein Geschäftsmodell, Technologie, einen Markt sowie ein entsprechendes Team.

Rundschlag gegen Facebook & Groupon

Bei Facebook liege der Fall zwar ein wenig anders. „Sie waren die Ersten, wurden aber immer wieder kräftig mit privatem Geld versorgt“, sagt Wilcove. Das Geschäftsmodell sei aber auch bei Facebook immer noch recht unklar. „Es weiß niemand wirklich, wie Facebook Geld verdient, trotz Werbung.“
Die Anteilscheine, die am Secondary Markt verkauft wurden sowie Microsofts Investment haben dem Unternehmen kräftigen Schub gegeben und angeblich bis zu einer Milliarde Dollar gebracht. Einen Börsengang von Facebook sieht der VC-Spezialist im Gegensatz zu den kolportierten Gerüchten noch lange nicht. „Warum auch, fürs Erste ist Facebook versorgt“, sagt Wilcove. Im Zuge eines IPO müsste Facebook außerdem für mehr Publizität sorgen, was derzeit aber tunlichst vermieden wird.

Zu einem bevorstehenden IPO des US-Schnäppchen-Portals Groupon, dessen Wert bereits auf rund 26,5 Milliarden Dollar kolportiert wurde, meinte Wilcove nur: „Wer sagt, dass das Ding so viel wert ist? Die derzeit bekannt gegebenen Werte sind doch total übertrieben. Das ist der typische Teil unserer Bubble, die bereits existiert.“ Einige andere Social Media Portale haben ebenso ein IPO angekündigt. Aber auch da sieht der VC-Experte mehr „Bubbles“ als echte Geschäftsmodelle. „Viele Kunden alleine machen es außerdem auch noch nicht aus.“

Armeen von Analytikern an die Datenfront

Für die immensen Datenbestände, die von Groupon & Co gesammelt werden, würden derzeit von diesen Unternehmen „Armeen von Statistikern und Datenanalytikern“ abgestellt, die diese Daten ordnen und auswerten.

Geld für Bewährtes in der Old New Economy

VC-Experte Wilcove selbst investiert mit Sofinnova Ventures in Software für verschiedene Branchen und IP-Technologien sowie in „nützliche Technologien“ für Hardware. „Wir haben in ein Unternehmen investiert, das Batterien für Smartphones und Computer sowie dazugehörige Verfahren entwickelt“, sagt Wilcove. Die Betriebsdauer soll damit auf mindestens zwei, „am besten drei Tage auch bei intensiver Nutzung verlängert werden“. Gerade bei der Batterielaufzeit gibt es noch Nachholbedarf bei den Basics wie in vielen anderen Bereichen auch.

Microsofts Griff in die Wundertüte

Zum Skype-Deal, womit eine der ältesten Web 2.0-Companys unter den Hammer kam, zeigt sich der VC-Experte beim Kaufpreis mehr als überrascht: „Ich war schockiert über den Preis.“ Microsoft hat das Unternehmen für 8,5 Milliarden Dollar gekauft, wenngleich der Web-Telekomprovider gerade einmal ein Zehntel des Umsatzes macht. Die Höhe des Kaufpreises sei laut Wilcove total überzogen. Microsoft sei eben ein Tick schneller gewesen als Google oder Facebook, die ebenso zuletzt als Übernehmer gehandelt wurden.

Dass Microsoft mit Skype mehr anfangen kann, als etwa der vorige Eigentümer Ebay, bekräftigt Wilcove geradezu: „Von der Strategie ergibt da durchaus einen Sinn.“ Skype integriert in Office sowie zur Xbox-Online-Plattform sei eine sinnvolle Ergänzung.

Quelle: wirtschaftsblatt.at

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